An jenem Tag begannen die Dinge sich zu verändern. Als Erstes bemerkte sie auf einer Busfahrt den fehlenden Kragen am Mantel einer Frau auf dem Platz gegenüber, deren übrige Kleidung sehr gepflegt war. Die Nächste war eine Kassiererin im Supermarkt, die die nicht vorhandene Manschette an ihrem rechten Blusenärmel zu verbergen versuchte, was die Blicke der Kunden umso mehr darauf lenkte. Etwas später traf sie auf der Treppe ihren Nachbarn, der, sonst immer zu einem Plausch aufgelegt, eilig und grußlos an ihr vorüberlief. Trotzdem registrierte sie den nicht mehr vorhandenen Schirm an seiner gewohnten Mütze. Solche Beobachtungen häuften sich. Auch fehlende Knöpfe, Taschenriemen und Gürtelschnallen kamen vor. Selten waren es größere Teile, zwei, drei Mal sah sie jemand ohne Jackenärmel. Sie versuchte, mit Freunden über ihre Wahrnehmungen zu sprechen. Es war nicht möglich, sie wiegelten ab oder wechselten schnell das Thema. Als sie einmal einen jungen Mann am Nebentisch im Café freundlich auf seine fehlenden Brillengläser ansprach, nahm er wortlos seine Sachen und setzte sich an einen weiter entfernten Platz. Überhaupt griff immer mehr Schweigen um sich. Immer weniger Menschen unterhielten sich, benutzten ihre Telefone. Auch ihr Telefon blieb zunehmend still, und sie selbst hatte nur noch selten den Wunsch, jemanden anzurufen. Als sie eines Morgens in ihre Schuhe schlüpfen wollte, bemerkte sie, dass der linke Absatz fehlte. Es war bei ihr angekommen.